Das Salz der Erde
Predigt am 26. Juli 2015

 
 

"Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz dumm wird, womit soll gesalzen werden? Zu nichts taugt es mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden."
(Matth. 5, 13)


Der Friede Jesu Christi sei mit euch allen!
Die Seligpreisungen der Bergpredigt sind als Evangelium gelesen worden. Sie gelten den Armen und den Trauernden, den Sanftmütigen und den Barmherzigen, denen die hungern nach Gerechtigkeit, den Friedenstiftern.
Seliggepriesen sind sie - und sind ein Zeichen für die Welt.
"Ihr seid das Salz der Erde."
Aus dem Herzen der Bergpredigt kommen nach den Seligpreisungen die zwei Bildworte vom Salz der Erde und dem Licht der Welt.

I. Hoher Anspruch
"Ihr seid das Salz der Erde." - Welch hohen Anspruch enthalten diese sechs Worte! Salz muss würzen und schützen und ist unentbehrlich für die Erde. Warum sollen ausgerechnet Christen das unentbehrliche Salz der Erde sein? Kritikern fällt es nicht schwer, genau das Gegenteil zu behaupten, und sie hätten wahrhaftig Beispiele genug, um ihre Behauptung zu untermauern.
Der Satz klingt besonders dann als anmaßend, wenn man die vor Augen hat, denen er damals galt. Das war keine Elite, keine ausgezeichnete Minderheit in der Gesellschaft, die einen höheren Anspruch gehabt haben.
Salz der Erde – das waren zum Beispiel die Jünger Jesu, mitunter einfache, „normale“ Fischer vom See Genezareth, die ohne Macht ohne Einfluss, ohne Ansehen waren.  Besondere Stärken, die sie dazu ausgezeichnet hätten, Salz der Erde zu sein, hatten sie nicht.
Und wir heute? Die Botschaft hat sich ausgebreitet in alle Länder.
Aber - Salz der Erde
Und hat sich nicht auch die Zeit geändert? –
Damals – zur Zeit Jesu - war Salz wertvoll, etwas Besonderes; man brauchte es zum Pökeln, zum Haltbar machen. Salz war teuer und die Salzstraße war der Goldene Steig.
Heute ist Salz gar nichts Besonderes, Wertvolles mehr; dieses Päckchen Salz (zeigen) habe ich am Donnerstag beim Discounter gekauft und es kostet ??? 19 Cent.
"Ihr seid das Salz der Erde", den Satz sagen wir uns nicht selbst. Er ist Zuspruch Jesu auch für uns. Menschen, die nichts Besonderes sein können oder wollen und denen nichts bleibt, als nur der Liebe Gottes zu trauen, sind das Salz der Erde.
Und das bleiben sie bis heute - und auch in Zukunft - das Salz der Erde: Menschen, die ihr Menschsein mit allen seinen Grenzen bejahen, weil sie der Liebe Gottes trauen.
Sie bleiben auch in der heutigen Gesellschaft etwas Fremdes, etwas, das hinzukommt zum Ganzen, wie das Salz zur Speise, - und sie sind Provokation in einer Gesellschaft, in der Machtbesitz, persönliche Durchsetzungskraft und materieller Wohlstand als so überwältigend wichtig gelten.

II. Starke Gewissheit
Es heißt: Ihr seid das Salz der Erde. Nicht: Ihr sollt es sein. Es ist gar nicht in das Belieben der Christen gestellt, ob sie Salz sein wollen.
Salz können sie nicht werden, sie sind Salz. "Ihr seid Salz." Das Wort beschreibt nicht, was andere an uns ablesen können, es sagt vielmehr zu, was wir von Christus zugesprochen bekommen: Es ist die Botschaft, die die Welt erhält und ihr Hoffnung gibt. Die Botschaft ist es, die uns Christen zu Salz der Erde macht.
Salz der Erde ist - wie andere biblische Bilder der Hoffnung, z. B. auch Licht, das man nicht unter den Scheffel stellt - nicht durch Größe, sondern durch Wirksamkeit gekennzeichnet. Für die junge Christenheit damals waren es großartige Hoffnungsbilder. Sie gewinnen heute neu Bedeutung, wo Christsein nicht selbstverständlich ist und Christengemeinden wieder in eine Diasporasituation geraten. Dem Leben in der Zerstreuung wird die Streuwirkung des Salzes entsprechen. Womit wir fast beim Salzstreuen sind, aber dafür sind wir jetzt definitiv in der falschen Jahreszeit.
Es geht nicht darum, ob die Kirche den Beifall des Zeitgeistes findet und ob sie durch öffentlichen Erfolg Recht bekommt oder nicht. Im Kern der Botschaft, wo es um Kreuz, Leiden und Tod geht um die Sympathie Gottes mit den Menschen und dem Werben um die Sympathie des Menschen für Gott, kommt es nicht einmal darauf an, ob sie den Erwartungen der Menschen entspricht. Es geht vielmehr darum, dass die Kirche, die Christen in der Sprache von Glaube, Liebe und Hoffnung reden und handeln.
Eine nach Erfolg um jeden Preis schielende und eine auf allen Hochzeiten tanzende Kirche will niemand, und es braucht sie auch niemand.
Auch wenn die Taten der Christen oft nur punktuell und zeichenhaft sind - immer erinnern sie daran, dass die Würde des Menschen unabhängig ist von dem, was einer zahlen und zählen kann.
Würzende Taten von Christenmenschen können sein: Öffentliches Tischgebet, Zivilcourage, Spiritualität, Gottes Segen
Salz nützt nichts um seiner selbst willen. Christsein ist nicht Selbstzweck, ist vielmehr Hingabe und Dienst.
Gott liegt an dieser Welt, ER liebt diese Welt. Christus ließ sein Leben nicht für einen kleinen frommen Kreis. Diese Welt interessiert Gott, sonst nichts. Auf ihr sollen Gerechtigkeit und Frieden wohnen. Auf ihr sollen alle in Fülle leben können. Das können wir Christen bekennen, auch wenn wir eine kleine Kirche geworden sind.

III. Die vier Anwendungsbereiche von Salz
Salz hat haupt­sächlich vier Anwendungs­bereiche hat: Es reinigt, es kon­serviert, es heiligt und es würzt.
Erstens reinigt Salz. Die Hausfrauen unter uns könnten sicher aus ihrem Erfahrungs­schatz einige Tips geben, wie man und was man mit Salz reinigen kann. Im Alten Testament ist sogar davon die Rede, dass neugeborene Babys mit Salz abgerieben wurden – wohl, um sie zu reinigen.
Zweitens konserviert Salz. Fleisch wurde früher oft ein­gepökelt, also in Salz eingelegt, damit es lange haltbar blieb. Mit Salz­heringen oder Sardellen ist es ähnlich. In biblischer Zeit gehörte das Einsalzen zu den wichtigsten Kon­servierungs­methoden. Deshalb ist Salz in der Bibel ein Inbegriff von Beständig­keit, Un­vergänglich­keit.
So kommt es, dass im Gottes­dienst des Alten Testaments Salz drittens auch heiligt. Kein Opfer wurde im Jerusalemer Tempel dar­gebracht, ohne dass es zuvor gesalzen wurde. Gottes alter Bund wird an einigen Stellen „Salzbund“ genannt; das bedeutet: er ist ein beständiger und heiliger Bund.
Viertens macht Salz Speisen schmack­haft. Dieser Anwendungs­bereich ist uns heute am ver­trautesten, war aber auch schon zu biblischer Zeit bekannt.
„Ihr seid das Salz der Erde“, sagte Jesus den Jüngern damals und sagt Jesus uns Christen heute. Mit den vier Anwendungs­bereichen des Salzes können wir uns klar machen, was er mit diesem Gleichnis meint.
Ihr seid das Salz der Erde“, sagte Jesus zu seinen Jüngern. Und weil auch wir seine Jünger sind und sein wollen, können wir das auf uns beziehen: „Wir sind das Salz der Erde.“ Was meint Jesus mit diesem Bild?

Wir als Kinder Gottes können in unserer Welt 1.) reinigend, 2.) kon­servierend, 3.) heiligend und 4. ) würzend zum Wohl der frohen Botschaft Gottes aktiv sein. ( 19 Cent für ein Himmelreich)